EPR/I . Der Nachweis einer klassischen Disharmonie
(B. Blauensteiner & P. Brandlmayr )

Im Mai 1935 publizierten Albert Einstein, Boris Podolsky und Nathan Rosen (EPR) einen Artikel, in dem sie ein Gedankenexperiment zur Lage der Quantenmechanik entwarfen. Ursprünglich als Beleg für deren Unvollständigkeit gedacht (EPR-Paradoxon), führte die praktische Durchführung von analogen Experimenten zu der überraschenden Feststellung, dass die scheinbar widersprüchlichen Konsequenzen, die aus den quantenmechanischen Vorhersagen folgen, offensichtlich den Tatsachen entsprechen. Mittlerweile ist die Forschung so weit fortgeschritten, dass die Physiker die dabei auftretenden Effekte nicht mehr nur akzeptieren und nachweisen, sondern sie für ihre Zwecke sehr effektiv nutzen. Dennoch, der Kern des EPR-Experiments bleibt mit zahlreichen Kontroversen verbunden und auf diese Weise bis heute ein bedeutendes Element in der Forschung an den Fundamenten der Quantenphysik - möglicherweise deuten die verbleibenden Paradoxien und Ungereimtheiten noch den Weg zu einer neuen Physik.
Diesen Gedanken folgend wurde in den Jahren 2006 und 2007 am Institut für Wissenschaft und Forschung ein Experiment entwickelt, mit dessen Hilfe die von Einstein, Podolsky und Rosen aufgezeigten Phänomene einer neuerlichen Untersuchung unterzogen werden sollen. Im Unterschied zu den bisher durchgeführten EPR-Experimenten werden am IWF dabei erstmals neben naturwissenschaftlichen Methoden auch künstlerische eingesetzt. Diese Erweiterung der Methodik geht auf den Physiker Prof. V. Krylov zurück, der 1985 behauptete, dass das "Wesentliche (...) immer im Zwischenraum" liegt. Krylov leitet daraus ab, dass "unterschiedlichste Betrachtungsperspektiven bzw. Methoden anzuwenden (sind) um ein Phänomen beschreiben zu können." Ziel dieser methodischen Öffnung ist es, "Einflüsse, die außerhalb des wissenschaftlichen Erkenntnisprozesses liegen aktiv in letzteren einzubeziehen und dadurch die Bandbreite möglicher Ergebnisse zu verbreitern." Nachdem im krylovschen Sinne eine Versuchsanordnung nicht nur als wissenschaftliches Beobachtungsinstrument, sondern auch als Musikinstrument und bildnerische Installation zu verstehen ist, war der Entstehungsprozess des vorliegenden EPR - Experiments durch ein Ineinandergreifen von wissenschaftlichen und künstlerischen Vorgangsweisen geprägt. Ausgehend von physikalischen Überlegungen und von Klangproben möglicher Bauelemente, wurde dabei vorerst die Versuchsanordnung konkretisiert. Darauf aufbauend wurde nach klanglichen und physikalischen Parametern eine Partitur erarbeitet, über die der Ablauf des Experiments festgelegt worden ist. Schließlich wurde dieser in den Rahmen einer installativen Arbeit gesetzt, innerhalb dessen über die Zeit Messergebnisse gesammelt werden.